Ich bin Sabine Herrmann-Michels, Art Director, Kursleiterin, Geschäftsführerin und Frau für alles bei feltro und seit ich denken kann, liebe ich Latzhosen.
20 Jahre lang führte ich eine Praxis als Logopädin für Erwachsene in Bern. Doch nach Abschluss meiner dreijährigen Filzausbildung im Jahr 2003 verwandelte sich meine Leidenschaft für textiles Handwerk von einem Hobby zu einer Berufung, die bald meine gesamte Freizeit in Anspruch nahm – und mehr.
2003 eröffnete ich in der Berner Matte den Laden „feltro“ – Filz für Körper und Raum. Nach dem Hochwasser 2005 zog ich ins „Alte Pförtnerhaus“ und gründete dort das Atelier feltro.
Meine logopädische Praxis gab ich auf und über 15 Jahre lang durfte ich herausragende, internationale Filzkünstlerinnen willkommen heißen, die in meinen Kursen ihr Spezialwissen weitergaben. In meinen Kursen liegt der Fokus vor allem auf transluzentem Filz: je feiner und edler, desto besser. Die dafür verwendete Wolle färbte ich selbst mit Säurekomplexfarben.
Der Wendepunkt kam 2010, als ich eine Woche mit India Flint arbeitete. Durch sie entdeckte ich einen völlig neuen, höchst sinnlichen Zugang zum Färben – alchemistisch nachhaltig. Obwohl mir die chemischen und physikalischen Prozesse damals noch fremd waren, war meine Faszination geweckt. So verband sich auf wunderbare Weise, meine Liebe zu Pflanzen mit meiner Leidenschaft für textiles Handwerk.
Die industrielle Textil- und Modeproduktion führt zu Abfallbergen und der Ausbeutung von Arbeitskräften, besonders durch Fast Fashion, die enorme Mengen schwer entsorgbaren Mülls erzeugt. Als Kunsthandwerkerin sehe ich es als meine Verantwortung an, bewusst mit Materialien und Ressourcen umzugehen und Produkte von hoher Qualität zu schaffen. Nachhaltigkeit ist nicht nur Trend, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit, um etwas Wertvolles für kommende Generationen zu hinterlassen.
Im Laufe der Jahre traf ich In ganz Europa und weltweit online auf Fachleute, von denen ich lernen durfte:
India Flint, Irit Dulmann, Brunhilde Scheidmeir und Fritz Jeromin, Sissi Castellano und Stephano Panconesi, Catherine Brunel Chapuis, Pia Best , Anja Schrik, Peter Reichenbach, Karin Tegeler, Tim McLaughlin und Charlotte Kwon, Liz Spencer, Sahabatarae und viele mehr.
Heute vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht mit Pflanzen, Pigmenten, Drucken und Färbeküpen experimentiere. Je tiefer ich in dieses Handwerk eintauche, desto klarer werden mir die wissenschaftlichen und chemischen Zusammenhänge. Alle Zutaten, die ich verwende, sind zu 100 % natürliche Rohstoffe, und viele der Pflanzen finde ich direkt vor meiner Haustür.
Ende Jahr bin ich im Pensionsalter und denke nicht daran, die Türe zu schließen und mich in den Schaukelstuhl zu setzen. In den kommenden Monaten freue ich mich darauf, meine Atelierräume zu entrümpeln, um mehr Raum und Luft für neue Projekte zu schaffen. Meine Ideen könnten noch ein weiteres Leben füllen.
Die Zukunft ist offen, doch eines ist sicher: Ich werde weiterhin Kurse zu Pflanzenfarben und Filz anbieten – am liebsten für kleine Gruppen mit individuellen Wünschen. Die Gewinnung natürlicher Farbstoffe aus Pflanzen bietet ein niedrigschwelliges Partizipationsmodell, das es jedem ermöglicht, aktiv mitzuwirken – ohne große Vorkenntnisse oder komplizierte Voraussetzungen. Diese Arbeit verändert den Blick auf industrielle Produktion und schärft das Bewusstsein für die Natur. Beim Färben und Drucken mit natürlichen Farben hat sich auf wunderbare Weise meine Liebe zu Pflanzen mit der zu Textilem verbunden.
Jede kreative Idee, die wir umsetzen, trägt ein inneres Wachstum in sich und entwickelt sich im Laufe der Jahre zu einem einzigartigen Kompetenzgefüge. Jede Idee ist auf ihre Weise einzigartig und kompetent, und jede wächst in ihrem eigenen Rhythmus. (Zitat von sevengardens.de)
Meine handgefertigten Kleinserien werden lokal in Bern produziert und sind auf Anfrage im Atelier oder bei regionalen Kunsthandwerk-Ausstellungen erhältlich.